Die Krankheiten und mein Weg...

 

 

Der nachfolgende Text beschreibt den Inhalt meines Weges. Ich bin noch mitten im Lernprozess...:

 

 

Loslassen lernen...

 

Gelassenheit einüben hat etwas mit "Loslassen können" zu tun. Wir haben uns lange auf ein bestimmtes Ziel fixiert, haben uns unsere Zukunft in bestimmten Bildern erträumt und sind nun mehr als enttäuscht darüber, dass wir das nicht mehr erreichen können. Unsere Frustration kann uns verbittern und dadurch blind werden lassen für andere, vielleicht viel beglückendere Wege, die sich vor uns auftun. Wir brauchen viel Zeit und Geduld mit uns selbst, bis wir uns von unseren einstigen Traumzielen innerlich verabschiedet haben und sie damit wirklich freigeben können. Aber mit der neu gewonnenen Gelassenheit wachsen uns auch wieder neue Hoffnungen und Träume zu. Wir müssen einiges im Leben immer wieder loslassen und aufgeben (behinderte und kranke Menschen etwas mehr, als gesunde). Aber wir werden dadurch unsere eigentliche, uns ins Herz geschriebene Lebensaufgabe wirklich finden können.

 

 

Tanzauftritt als Rolli-Duo mit Paula (hinten)

im November 2005

 

 
 

Diesen Beitrag schrieb ich vor Jahren in einem Forum, als ich merkte, dass sich einige Menschen mit einem Handycap als "Menschen zweiter Klasse" wahrnehmen:

 

Hallo ihr Lieben,

manchmal beschleicht mich das Gefühl dass sich einige "Handycapler" als eine "Belastung für die Gesellschaft" ansehen. Ich las Sätze wie: "......dass wir uns als zweite Klasse bezeichnen." oder “….dass andere Menschen uns als zweite Klasse bezeichnen“ …

Der damalige Kinderarzt meiner Kids nannte Menschen mit Behinderungen immer: "Meine besonderen Patienten", und das sagte er sehr liebevoll....

Hey, wir sind keine Menschen zweiter Klasse!!! So'n Schmarrn!!! Wenn schon dann sind wir etwas Besonderes. Wer ein Schicksal wie das unsere tragen muss (ich schreibe extra nicht "ertragen"!), der vollbringt ein tolle Leistung - wie ich finde - die uns ein sogenannter "Gesunder" erst einmal nachmachen sollte!

Wir sind Lebenskünstler im Organisieren, im Umgang mit unseren Mitmenschen, Ärzten, Behörden usw.... Wir müssen uns trotz unserer Erkrankungen und Behinderungen ein Wissen aneignen, um unsere Rechte einfordern zu können und um unsere Krankheiten verstehen zu können, das einem Studium gleich kommt! Die Fähigkeiten die ein Mensch mit einer Behinderung entwickelt (entwickeln muss), zeigen eine Lernfähigkeit, geistige Beweglichkeit, Flexibilität, aktuelles Interesse an den gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen (weil wir sie kennen MÜSSEN!) und, und, und - die lange nicht selbstverständlich und allgemeingültig sind.

Und dann sollen wir Menschen zweiter Klasse sein???? Mit den Qualitäten die wir im Laufe unserer "Behindertenkarriere" erwerben (müssen) um zu unserem Recht zu kommen (sowohl was die Medikamente angeht, als auch die Hilfsmittel, die öffentlichen Gelder, Assistenz usw.), könnten wir locker den Managerposten eines Großbetriebes ausfüllen. Während die "Normalos" die Wahl haben, mit Interesse und Lernwilligkeit durchs (spätere) Leben zu gehen (Berufskarriere ist abgeschlossen), oder ein Pantoffel-Sofa-Heldenleben zu führen, müssen wir "am Ball" bleiben um unsere Rechte einfordern zu können. Und das alles zusätzlich zu unserem Handycap und dem sicher nicht immer einfachen Umgang mit unserer jeweiligen Erkrankung!

Ich finde, dass wir eine ganz schöne Leistung erbringen und nicht den geringsten Grund haben, uns als Menschen zweiter Klasse bezeichnen zu lassen, oder sogar uns selbst so zu bezeichnen! Wir haben uns unser Schicksal nicht ausgesucht und müssen unser ganzes Leben darauf abstimmen. Und wir sind GUT!!! Nicht umsonst haben wir für unsere Rechte gekämpft (und kämpfen weiter!), nicht umsonst kommt man gesellschaftlich nicht mehr an uns vorbei. Wir haben Rechte - und bekommen keine Allmosen! So wie jeder Arbeitslose einen Anspruch auf ein Arbeitslosengeld hat, wie jedes Elternteil ein Recht auf Kindergeld und Erziehungsurlaub hat, so haben wir das Recht, dem Großteil der Gesellschaft gleichgestellt zu werden und die entsprechende finanzielle und idielle Unterstützung zu bekommen.

Doch wenn wir uns selber klein machen, wie soll man uns dann ernst nehmen? Kopf hoch und mit geradem Rücken und selbstbewusstem Lächeln (soweit es unser Handycap zulässt) durchs Leben gehen oder rollern, das sollte unser Ziel sein.

Und noch was: die WHO (Weltgesundheitsorganisation) definiert Gesundheit folgendermaßen: gesund an Körper, Geist und Seele....
Bei uns ist der Körper vielleicht nicht mehr ganz TÜV-tauglich, doch unser Geist und unsere Seele sind bei den meisten von uns noch (oder gerade deshalb) sehr gut in Takt, was nicht jeder "Normalo" von sich behaupten kann....und wer ist nun wirklich krank und
behindert?? ;-) :-O

Und wenn wir mit diesem Selbstbewusstsein und dieser Überzeugung auf unsere Mitmenschen zugehen, dann wird man in uns auch nicht den/die arme(n) Behinderte(n) sehen, sondern man wird uns ernst nehmen - man wird uns als Menschen wahrnehmen und nicht als ein bemittleidenswertes Wesen. Und man wird in uns auch einen potentiellen Lebenspartner entdecken können - und uns nicht als ein geschlechtsloses Neutrum, dem man den Kopf vor lauter Mitleid streichelt.... :-)

In diesem Sinne wünsche ich euch allen ein aufregendes und erfülltes Leben.

Alles liebe
Laura

 

 

Wer verzeiht, lebt länger

 

Die hohe Schule des Vergebens

- Ein Bericht über die Ausführungen von Beate Weingard, und meine Gedanken dazu -

 

Es hat in meinem Leben, wie sicher im Leben der meisten Menschen, immer wieder Situationen und Ereignisse gegeben in denen man von seinen Mitmenschen, seiner Familie, Freunden oder Partnern verletzt wurde. Die Spannbreite ist dabei sehr groß - von der kleinen Unachtsamkeit bis hin zur Demütigung oder der Entwürdigung des anderen. Während man die kleinen Unachtsamkeiten, Streitereien oder Desinterssen schnell verzeihen und wieder vergessen kann, können die tiefergreifenden Demütigungen, oder gar die Entwürdigung der eigenen Person lange nachwirken und tiefe Wunden hinterlassen. 

Wie soll man mit solchen Dingen, die einen bis ins Mark getroffen haben, umgehen, wie soll man sie verarbeiten und verzeihen können und wie soll man neues Vertrauen aufbauen, wenn die Wunden so tief sind? Welche Mechanismen helfen einem dabei - und inwieweit kann man selbst darauf Einfluss nehmen, wenn der andere sich sperrt, die Verletzungen nicht sehen will oder sie verharmlost - kurz, nicht dazu bereit ist die Seelenverletzung des anderen wahr zu nehmen und sie zu würdigen?

Ich denke, dass das ein langer Weg und Lernprozess ist, den man nur ganz alleine leisten und gehen kann. Man kann nicht darauf vertrauen, dass derjenige der einem das angetan hat, einem dabei helfen wird. Sollte man das Glück haben, dass es doch so ist, wird man sicher bald einen gemeinsamen Weg finden und eine neue Basis für ein Miteinander - wenn auch vielleicht mit mehr Distanz und mehr Vorsicht. Doch oftmals sind die Gräben nach solchen Ereignissen so tief, dass es kein Miteinander mehr geben kann. Man steht alleine vor dem Scherbenhaufen und weiß oftmals nicht, wie man das alles aushalten soll. Man kann oder will nicht glauben, dass ausgerechnet der Mensch, der einem so nahe stand, dies wirklich so gewollt hat, versucht Gründe dafür zu finden oder hofft darauf, dass der andere ein Einsehen hat und den Willen, das Geschehene zu erklären, den gemeinsamen Versuch zu machen, dies alles gemeinsam zu verarbeiten. 

Doch leider ist dies die große Ausnahme. In der Regel wird man alleine davor stehen - und auch alleine einen Weg finden müssen, um nicht daran zu zerbrechen. 

Beate Weingard will in ihrem Buch Wege aufführen, mit denen das Vergeben gelingen kann. Als ich es las hatte ich anfangs immer wieder das Gefühl, dass Frau Weingard die Problematik zu einfach sah. Ich konnte ihre Ratschläge zuerst nicht auf meine Situation umsetzen. Doch die Arbeit mit dem Buch setzte Prozesse in mir frei, die mich zwar noch nicht ganz an mein Ziel der absoluten und ehrlichen Vergebung gebracht haben - doch ich bin auf dem Weg...

Ich möchte euch an meinen Gedanken zu den einzelnen Buchabschnitten teilhaben lassen, an den Zweifeln und der Ohnmacht die ich teilweise dabei empfand und an den Fragen, die ich mir dabei stellte. Doch hoffe ich dabei auch, dass ich in diesem Text zeigen kann, dass es gut ist sich mit diesen Dingen auseinander zu setzen, dass es ein Lernprozess ist der wichtig für die eigene Seele ist, der die Notwendigkeit des Loslassens auch in diesen Dingen deutlich macht. 

Wie gesagt bin ich auch in dieser Hinsicht noch auf dem Weg. Doch ich spüre, dass ich mit jedem Schritt zum ehrlichen und aufrichtigen Verzeihen, meiner Seele neue Kraft geben kann, dass ich gelassener werde und mich wieder mehr auf mich und mein eigenes Leben konzentrieren kann. Denn alte, unverarbeitete Verletzungen blockieren unser Leben und halten uns in unseren Gedanken und Erinnerungen fest. 

Wir sollten uns mehr wert sein als dass wir unsere Kraft weiterhin in Dinge stecken, die sowieso nicht mehr zu ändern sind. Unser Leben ist das wertvollste Gut das uns geschenkt wurde. Deshalb sollten wir uns frei von den Dingen machen, die uns behindern und unsere Kräfte binden.

Ich wünsche euch allen, die ihr teilhaben wollt an meinen Gedanken, ein freies und unbeschwertes Leben das ihr in vollen Zügen genießen könnt - wieder genießen könnt, trotz allem Vergangenen...

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Wie Vergeben in wenigen Schritten gelingen kann - ?

 

Der Partner gesteht einen Seitensprung, und erwartet auch noch Verständnis von Ihnen. Oder er hat sie zum wiederholten Male allein gelassen, oder ist Ihnen sogar in den Rücken gefallen. 

Ganz klar: Betrogen, hintergangen und verletzt zu werden, tut weh. Man ist wütend oder enttäuscht und traurig. So sehr es auch schmerzt, von den liebsten Menschen im Leben enttäuscht zu werden, von den Menschen, für die man selbst alles getan hätte – man wird krank, wenn man nicht verzeiht. „Der Groll, die Wut, die Bitterkeit und die Unversöhnlichkeit nagen an der Seele und versetzen uns in einen chronischen Spannungszustand“, weiß die psychologische Beraterin und Buchautorin Beate Weingardt (www.beate-weingardt.de). Der Körper wehrt sich und reagiert darauf mit seinem fest installierten Alarmprogramm: So schnellt zum Beispiel der Blutdruck in die Höhe, die Herzfrequenz steigert sich, die Muskeln spannen sich an oder der Magen-Darm-Trakt leidet. „Das Ausschütten der Stresshormone bedeutet ein extremes Risiko für unsere Gesundheit, weil es unser Immunsystem angreift und schwächt“, warnt Weingardt und verweist dabei auf entsprechende Ergebnisse von Langzeit-Studien. Doch damit nicht genug: Laut einer Untersuchung sei eine feindselige Einstellung anderen Menschen gegenüber der gewichtigste Faktor für einen frühzeitigen Tod.

 

  1. Gefühle ehrlich eingestehen: Man darf die eigenen Emotionen weder bagatellisieren, noch verdrängen, noch verleugnen. Lassen Sie die Gefühle zu, lassen Sie die Wut raus!

    Wie sollte ich das machen??? Ich war jedes mal schwanger und hatte mindestens beim zweiten mal bereits ein Kind!!!

    Es ist völlig in Ordnung, im ersten Moment nach einer Trennung bei der besten Freundin auf der Couch zu sitzen und Hunderte Geschichten zu erzählen, die beweisen, wie mies der Typ eigentlich war – um nur wenige Augenblicke später in Tränen auszubrechen und in den ach so schönen Erinnerungen zu schwelgen. Dieses Wälzen in Emotionen – von Wut über Trauer, Freude bis hin zu Eifersucht – gehören dazu, sagen Experten, denn es ist befreiend und hilft bei der Bewältigung.

    Habe ich nie machen können – wie auch?! Ich musste funktionieren, mein jeweiliges Kind auf die Welt bringen und es versorgen (und die anderen auch). Wie konnte ich mich da um meine eigenen Gefühle kümmern?! Ich hatte in erster Linie eine Verantwortung für meine Kinder, denn sie hatten es sich nicht gewünscht, auf diese Welt zu kommen – sondern mein Mann und ich!!!!

    Alles, was unverarbeitet runtergeschluckt wird, kommt irgendwann später wieder hoch.

    Ja, das dauerte ca. 25 Jahre – 1/3 meines Lebens, und die Hälfte meines Lebens als Erwachsene – wenn überhaupt... - wer weiß?

    In dieser Phase sollte mit dem, der einen verletzt hat, auf Abstand gegangen werden – um die eigenen Gedanken besser ordnen zu können.

  1. Mit Erfahrung auseinandersetzen: Im zweiten Schritt werden diese Gedanken nochmals in ihre Einzelteile zerlegt. Warum hat mich das Verhalten des anderen so getroffen? Wusste der andere, dass er mich damit so sehr verletzt?

    Wer kann als Erwachsener von sich behaupten nicht zu wissen, dass ein Betrug den anderen verletzt??!! - Und das zusätzlich in einer Zeit, in der der andere in einer Ausnahmesituation ist (Schwangerschaft oder Krankheit) und man sich sicher sein kann (oder dies zumindest glaubt), dass er nicht gehen wird!!!!

    Habe ich ihn möglicherweise zuvor so verletzt, dass dies nur eine Reaktion darauf war?

    Womit hätte ich ihn verletzen können? Indem ich mit ihm entschieden habe, ein Kind zu bekommen – eine Familie zu gründen? Ich bin auch nicht annähernd in meiner Ehe jemals mit einem anderen Menschen zusammen gewesen, habe niemals jemand anderen in mein Herz gelassen, obwohl es Gelegenheiten genug gegeben hat!

    Fragen über Fragen – deshalb sollte man hier neutrale Freunde zu Rate ziehen. Ziel ist es nämlich, das Erlebte mit anderen Augen zu sehen, unter neuen Voraussetzungen, es neu einzuordnen, indem man es zu verstehen versucht. 

    Ja, ich habe versucht es zu verstehen, habe die „Schuld“ bei mir gesucht: Habe ich meinen Mann zu früh geheiratet? Er hatte vorher nie eine andere Freundin! Er hatte keine anderen Erfahrungen. Hatte er recht wenn er sagte, dass ich Schuld daran gewesen bin, weil ich älter war als er, als wir geheiratet haben? (2 ½ Jahre!). Heute weiß ich, dass das eine billige Erklärung war, mit der er sich die Absolution erteilte! - Und ich habe mitgespielt! Das war meine Schuld!

     

  2. Sich selbst verzeihen: Seien Sie jetzt ganz bei sich! Denn egal wie eine Situation auch ausgehen mag – ob eine Nacht in fremden Betten das Ende der Beziehung mit sich bringt, (welche Nacht, aus meiner Sicht – oder welcher auch nur annähernde Gedanke an eine "fremde" Nacht???) oder ob man den Job hinschmeißt, weil man die Intrigen nicht mehr aushält: Voraussetzung, um anderen vergeben zu können, ist, sich selbst zu lieben. Ein befreiendes Gefühl wird der Lohn für diese Überwindung sein. (Was sollte ich mir vergeben – dass ich ihn geheiratet habe? - Wahrscheinlich!)
     
  3. Innerlich vergeben: Bevor man diesen Schritt geht, sollte man ganz stark in sich selbst hinein hören und hinterfragen, ob man innerlich wirklich bereit dazu ist, diesen zu tun. Auch wenn die beste Freundin noch so drängelt und meint „Jetzt verzeih’ ihm doch mal“ – tun Sie nur das, was Ihnen Ihr Herz und Ihre innere Stimme sagt. Egal, wie Sie sich entscheiden – ob Sie sich von diesem Menschen verabschieden oder es noch einmal mit ihm versuchen – Sie müssen alles dafür tun, dass die Verletzung heilt – und ohne Vergeben kann sich keine Wunde schließen. Wer weiterhin Groll hegt, reißt die zarten Narben immer wieder auf.

    Groll? Der war bald weg, weil ich ihn mir nicht leisten konnte. Meine Kinder – meine Familie brauchten mich. Und ich habe verdrängt, beschönigt, verleumdet. Es war kein Groll, der hoch kam, als ich mich zum letzten Mal verraten gefühlt habe – als ich krank wurde und es in seinen Augen und seinem Bewusstsein nicht sein durfte. Es war bodenlose Enttäuschung – die gleiche Enttäuschung, die ich schon hundert mal zuvor mit ihm erlebt habe und die ich immer wieder so erfolgreich verdrängt hatte, sie zu meinem Problem gemacht hatte. Es war die Erkenntnis, dass ich mit einem Menschen eine Familie gegründet, mich auf ihn hundertprozentig verlassen hatte, der das nicht leisten konnte was notwendig gewesen wäre. Ich hatte einem Menschen meine ganze Liebe und mein ganzes Vertrauen geschenkt, die er mehrfach missbraucht hat und der nicht in der Lage war (oder es nicht sein wollte – warum auch immer), hinter mir zu stehen. Er hat es nie getan, wenn es darauf ankam – und ich habe es über Jahre gewusst. Doch ich habe immer wieder geglaubt, dass es irgendwann anders sein würde, dass er irgendwann erwachsen werden würde und dass er dann für mich da sein würde. (Oder habe ich nie daran geglaubt und es nur erhofft?)

     
  4. Wenn der tiefe Friede einkehrt

    Die Emotionen, die Leichtigkeit, die man nach dem Vergeben spürt, zeigen deutlich, dass man am Ziel ist. 

    Wie kann man Leichtigkeit empfinden, wenn man vergeben hat, wenn man versucht hat, alles zu verstehen und zu vergessen – und sich nichts ändert und es immer und immer wieder geschieht? Wie kann man noch an sich selbst und an den eigenen Wert glauben, wenn man immer das letzte Glied in der Kette ist bei dem Menschen, dem man eigentlich am Wichtigsten sein sollte? Wie kann man sein eigenes Selbstwertgefühl aufrecht erhalten, wenn man immer wieder erlebt dass dem Menschen, den man liebt und für den man ALLES tun würde, die anderen und deren Wohlergehen wichtiger sind als das eigene? Wie kann man noch an den Menschen und seine Liebe glauben wenn man erlebt, dass von einem verlangt wird, dass man „um des lieben Friedens willen“ seine eigenen Wertvorstellungen verleugnen muss? Wie kann man noch diesen Menschen lieben der lieber einen selbst verrät, als zu seiner Meinung und den gemeinsamen Zielen zu stehen weil „Freunde“ diese Ziele nicht haben und er sich anpassen will, um diese „Freunde“ nicht zu verlieren oder ihnen zu widersprechen? Welches Leben führt man mit diesem Menschen wenn er in Krisensituationen IMMER auf der „anderen“ Seite steht – um Diskussionen aus dem Wege zu gehen? Wie kann man einen Menschen noch lieben der einem ALLES zumutet um denen, mit denen er nicht zusammen lebt, nicht widersprechen zu müssen?!

     
  5. Wer sich innerlich befreit fühlt, hat es geschafft, den Berg des Leids zu überwinden. „Und das ist die schönste Belohnung für diese emotionalen Eskapaden“, weiß Weingardt.

    Ich habe verziehen, zu verstehen versucht und Vergangenes der Vergangenheit übergeben. Jedoch hat dies alles NICHTS verändert – im Gegenteil. Ich fordere nicht mehr, ich klage nicht mehr an, weil es eh sinnlos und zu Kräfte raubend ist. Die einzige Chance auf ein friedliches Miteinander – wenn es das überhaupt noch einmal geben sollte – wäre die Verleugnung jeglicher Wertvorstellungen, die Verleugnung jeglicher Geschehnisse deren gravierende Folgen noch heute und in Zukunft Bestand haben werden – wäre die Verleugnung meiner Gefühle, meiner lebensnotwendigen Rechte und meiner selbst. Und auch das würde nicht dafür ausreichen um eine neue Ebene zu finden. Denn da, wo das Handeln eines Menschen nur noch verbrannte Erde hinterlassen hat, ist nichts mehr da worauf man aufbauen könnte. (Ganz abgesehen davon, dass der Wille auf der anderen Seite auch nicht annähernd ersichtlich wäre. Denn wenn der aktuelle Zustand aufrecht erhalten wird, oder sogar noch verstärkt und verschärft wird, helfen selbst die besten Willenserklärungen oder die besten Vorsätze nichts mehr... Man kann nur noch machtlos dem Geschehen seinen Lauf lassen...)

     
  6. Auch wenn die Überwindung noch so groß war – und egal ob die „Täter“ immer noch präsent sind oder der Kontakt abgebrochen wurde – man ist mit sich selbst wieder im Reinen. Und die Kraft, die investiert wurde, kehrt endlich wieder zurück. Schon Mahatma Gandhi war klar: „Der Schwache kann nicht verzeihen. Verzeihen ist eine Eigenschaft der Starken.“

    Verzeihen kann man nur das, was vergangen ist. Solange ein Zustand anhält gehört er nicht der Vergangenheit an.... Es gibt ein schönes Sprichwort von Friedrich Schiller:„Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt."  Dies gilt nicht nur für Nachbarn, sondern für jede Art von Beziehungen...

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Das waren meine Gedanken zu den Texten von Beate Weingard. Ich konnte ihre Ausführungen nicht für mich umsetzen, war eher noch betroffener davon als dass sie mich angesprochen oder getröstet hätten. 

Doch dann wurde mir irgendwann klar, dass ich ENDLICH Wut empfinden konnte - Wut auf meinen Exmann, Wut auf das, was er mir angetan, mir zugemutet hatte und hat. Ich habe vorher niemals diese Wut empfinden können, sondern war immer nur traurig, verletzt und fühlte mich erniedrigt.

Doch diese Wut, die endlich in mir hochkam und die ich zuließ, bewirkte Wunder...

Es war, wie gesagt, ein langer, langer Weg bei dem ich auch die Hilfe und Unterstützung von Psychologen annehmen musste. Ich konnte endlich diese - für mich - negativen Gefühle zulassen und spürte endlich Erleichterung. Man hatte mir sehr, sehr weh getan, hatte mich bis ins Mark verletzt und ich dachte, dass ich niemals würde damit leben können. Doch die Wut bewirkte, dass ich mir endlich meine eigene Situation ansehen konnte, dass ich zu mir sagen konnte: "Ja, das alles ist so geschehen und niemand kann es mehr rückgängig machen. Ich habe unendlich darunter gelitten, bin nicht nur einmal an meine Grenzen gekommen, wollte mein Leben beenden weil ich keinen Sinn mehr darin gesehen habe."

Doch dann wurde mir klar dass ich neben all den Verletzungen und Wunden die in mir waren, mich durch meine Trauer darüber und dem "Nicht-Verstehen-Können" selbst noch zusätlich verletzte, mich quälte, verstehen wollte was nicht zu verstehen ist, ändern wollte was nicht mehr zu ändern ist...

Als ich das begriffen hatte wurde mir klar, dass es nur einen Weg für mich geben kann - den Weg des absoluten Verzeihens, des ehrlichen und unwiderbringlichen Loslassens.

"Es ist wie es ist!"


Das wurde mein Leitspruch mit dem ich alles Alte, Verletzende und Hindernde loslassen konnte - zumindest zum größten Teil. Es machte mich frei von den quälenden Gedanken des "Warum", worauf es keine Antwort gibt.
Es ist wie es ist...

Auch wenn es noch nicht zuende ist und ich immer wieder kleine Rückfälle habe, bei denen die Vergangenheit mich wieder einholt und all die alten Wunden wieder zu schmerzen beginnen, habe ich doch einen Weg gefunden, mit all dem Geschehenen und mir im Einklang leben zu können. Ich komme immer schneller wieder aus diesem Jammertal ins Licht wenn ich mir meinen Leitspruch klar mache. Es ist nicht zu ändern - doch das Leben geht weiter. Ich will es mir wert sein, dass ich meinem Leben wieder einen anderen Sinn gebe - ohne die alten Verstrickungen und Verletzungen. Sie haben Narben hinterlassen - ja. Doch diese Narben sind gut so weil sie mir zeigen, dass ich besser auf mich achten muss damit mir solche Dinge, wie ich sie mir selbst habe gefallen lassen, nicht wieder geschehen können/dürfen. Die Narben erinnern mich daran, dass ich es mir selbst nicht wert war das alles zu verhindern oder früh genug meine Konsequenzen daraus zu ziehen.

Bis heute haben die Dinge, die damals geschahen, ihre Auswirkungen - ob in finanzieller oder zwischenmenschlicher Art. Doch auch sie sind nicht mehr zu ändern - genauso wenig wie meine MS-Diagnose. Ich musste lernen damit zu leben. Und genauso wie bei der MS hatte es keinen Sinn, dagegen anzukämpfen. Ich musste sie so zu akzeptieren lernen wie ich einst meine Diagnose akzeptieren lernen musste. Ich habe es damals geschafft und werde auch diese Tatsachen in mein Leben integrieren können. Doch ich darf und werde ihnen nicht mehr den Stellenwert geben, den sie einst hatten. Man kann auch mit wenig Geld glücklich leben - und ob man von seinem früheren Umfeld für psychisch krank angesehen wird ist völlig irrelevant. Hat man erst einmal dies verinnerlicht, kann man gelassen und mit einem Lächeln auf den Lippen diesen Menschen begegnen. Nicht ich habe ein Problem damit - sondern sie. Und ich bin nicht für ihr Leben, sondern lediglich für mein eigenes verantwortlich. Und dieses Leben möchte ich mir so gut gestalten, wie es in meiner Macht liegt...

 

 

        

 

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