Auf den folgenden Internetseiten findet ihr mehr Infos zu dem Thema "Sexualität und Behinderung":
http://www.20six.de/ap/users.laura50/admin/gbook.php?session_id=fa7&blog_id=44967
http://www.sexualitaet-und-behinderung.de/
Ich freue mich sehr, euch hier die Hausarbeit von Nanna Hamfler zum Thema Sexualität und Behinderungen vorstellen zu dürfen. Ich kann sie nur wärmstens weiterempfehlen. Vielen Dank an die Autorin...
Studiengang: Sozialarbeit
Sexualität und körperliche Behinderung
unter besonderer Berücksichtigung von Sexualität und MS
Verfasserin: Nanna Hamfler
Karlstraße 15
61130 Nidderau
Telefon: 06187- 29 1 25 1
Email: nanna.hamfler@web.de
vorgelegt am 17.01.2003
Inhaltsverzeichnis
1. Sexualität und Behinderung-ein Tabu? 5
1.1 Was ist Behinderung? Was ist Sexualität? 6
1.2 Schön und leistungsfähig = perfekt? 8
1.3 Neue Wege 10
1.3.1 Sexualbegleitung und Sexualhilfe 10
1.3.2 Sexualbegleitung des ISBB e.V., Trebel 11
1.3.3 Peer-Counselling 12
1.3.4 Internet 13
2. Sexualität und MS 13
2.1 Krankheitsbedingte Störungen durch MS 14
2.2 Sexuelle Funktionsstörungen bei Multipler Sklerose 14
2.2.1 Primäre Störungen 15
2.2.2 Sekundäre Störungen 16
2.2.3 Tertiäre Störungen 17
2.3 Diagnostik von sexuellen Störungen bei MS 17
2.4 Mögliche Behandlungen der Störungen 18
2.4.1 Therapie bei organischen Störungen 19
2.4.1.1 Erektionsstörungen 19
2.4.1.2 Mangelnde Befeuchtung der Vagina 20
2.4.1.3 Libidostörungen 20
2.4.2 Therapie der Störungen durch die MS-Symptomatik 20
2.4.2.1 Spastik 21
2.4.2.2 Muskelschwäche/Lähmungen 21
2.4.2.3 Blasen- und Darmstörungen 21
3. Ausblick 22
Literaturverzeichnis
Selbstverständlich erhebt der vorgelegte Beitrag keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit, einige Themen habe ich bewußt ausgeklammert, da sonst der Rahmen einer Hausarbeit gesprengt worden wäre. Dies bedeutet jedoch keineswegs, dass die nicht bearbeiteten Themen wie Behinderung und Homo - oder Bisexualität, Behinderte als Eltern und sexuelle Gewalt gegenüber Behinderten nicht besonders bedeutend wären - eher das Gegenteil ist der Fall: Ich erachte gerade diese Themen als so wichtig, dass ich mir sicher war, sie aufgrund des gesteckten Rahmens nicht adäquat bearbeiten zu können. Meiner Meinung nach verdienen diese Problematiken jedoch eine besonders intensive Bearbeitung, die vielleicht im Rahmen von Einzelarbeiten zu bewältigen wäre.
Im ersten Teil der Arbeit werde ich versuchen, mich dem Thema allgemein anzunähern, der zweite Abschnitt beschäftigt sich vertiefend mit dem Thema "Sexualität und MS". Auffällig war für mich bei der Einarbeitung in das Thema auch die etwas unterschiedliche Literaturlage: Waren allgemein zu dem Bereich "Behinderung und Sexualität" durchaus eine Anzahl entsprechender Publikationen erhältlich, scheint das Gebiet von "Sexualität und MS" eher ein Schattendasein zu fristen. Selbst anerkannte MS-Ratgeber widmen dem Thema höchstens einen kurzen Unterabsatz[1]. So stütze ich mich im besagten zweiten Abschnitt vorwiegend auf die bei der Deutschen Multiplen Sklerose Gesellschaft (DMSG) e.V. erhältliche Broschüre von Renate Hofreiter[2] und eigene Erfahrungen.
Die vertiefende Auseinandersetzung mit dem Gegenstand der Arbeit hat auch mir selbst neue Blickwinkel eröffnet und Denkanstösse vermittelt, weshalb ich trotz der Komplexität des Themas sehr froh bin, mich dieser Aufgabe gestellt zu haben. Aus eigener Kenntnis als Gründerin eines Stammtisches für MS-Betroffene ist mir bekannt, dass es vielfältige Formen von sexueller Problematik in Zusammenhang mit Behinderung bzw. MS gibt. Ich selbst habe allerdings persönlich erfahren, dass sich entgegen anderslautender Meinungen in der Literatur in Selbsthilfegruppen durchaus offen mit diesem Thema auseinandergesetzt wird - wie dies nach meinem Ermessen auch unbedingt der Fall sein sollte. Für mich ist Kommunikation das einzig probate Mittel, um Probleme jedweder Art erkennen, bearbeiten und lösen zu können. Dies gilt nicht nur in Zusammenhang mit Sexualität und Bhinderung, sondern betrifft alle Bereiche des täglichen Lebens. Besonders begrüße ich in diesem Zusammenhang die Entwicklung des Internets, was nicht nur von Behinderung Betroffenen neue Einblicke, Kontakte und Hilfestellungen auf eine relativ anonyme Art ermöglicht und jederzeit zur Verfügung steht. Gleichzeitig plädiere ich jedoch nach wie vor für einen weiteren Ausbau von Selbsthilfegruppen und dem Peer-Counselling, denn manchmal ist der persönliche Austausch und die Beratung von Betroffenen durch Betroffene unerlässlich. Auch den neuen Entwicklungen innerhalb der emanzipatorischen Behindertenbewegung sollte unser Augenmerk gelten - hier können viele Denkanstösse durch Betroffene selbst einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.
Für gewöhnlich bemühe ich mich darum, Hausarbeiten möglichst nach einem wissenschaftlichem, an einer Fachhochschule üblicherweise zu erwartendem Standard abzufassen. Im vorliegenden Falle möge man mir jedoch verzeihen, dass mir dies aufgrund eigener Betroffenheit nicht durchgängig möglich war. Die vorliegende Arbeit möchte ich daher als sehr persönliche Auseinandersetzung mit der Problematik von Sexualität und körperlicher Behinderung verstanden wissen.
In den letzten Jahrzehnten sind zweifelsohne auf den Gebieten der Sexualität und der Behinderung an sich große Fortschritte bezüglich der Aufklärung und Toleranz erzielt worden. War es vor 20 Jahren noch ein grosses Problem, sich zu seiner sexuellen Orientierung zu bekennen, wenn diese von dem als "normal" empfundenen Zustand abwich, so hat sich dies inzwischen glücklicherweise geändert. Ebenso ist detaillierter Aufklärungsunterricht zu einer Selbstverständlichkeit geworden, Empfängnisverhütung und Abtreibung stellen in der öffentlichen Diskussion kein Tabu mehr da, Sexszenen in Filmen sind beinahe an der Tagesordnung, Diskussionen über sexuelle Vorlieben tagtäglich zu betrachten und sexualisierte Werbung allgegenwärtig (ob gerade die letzten Punkte allerdings einer tatsächlichen sexuellen Befreiung förderlich waren, möchte ich hier einmal dahingestellt sein lassen).
Auch die Emanzipation der Behinderten ist vorangeschritten. Durch Aktionen und Öffentlichkeitsarbeit von Behindertengruppen und politische Diskussionen, die inzwischen zu einem - wenn auch lückenhaften - Gleichstellungsgesetz geführt haben, wurden Behinderte mit ihren vielfältigen Problemen in das Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt. Zweifelsohne gibt es hier noch reichlich Handlungsbedarf - aber die Situation der Behinderten hat sich durch dieses geänderte Bewusstsein in der Öffentlichkeit und auch durch die aktuelle Gesetzgebung (z.B. SGB IX) verbessert.
All dies führt mich nun zu der Frage, warum die Verbindung von Sexualität und Behinderung noch immer ein wenig behandeltes Tabuthema darstellt. In der Bundesrepublik leben immerhin ca. 6,6 Millionen schwerbehinderte Menschen (Stand: Oktober 1998) - gleichwohl gut 8 % der Gesamtbevölkerung. Sind dies etwa alles asexuelle Wesen? Sexuelle Probleme Behinderter werden bereits innerhalb der medizinischen und sozialarbeiterischen Ausbildungszweige großzügig ausgespart, die Mitglieder der diversen Fachberufe besitzen häufig keine oder nur eine geringe Kenntnis der Problematik bzw. neigen zu einer "verwissenschaftlichten" Herangehensweise. Offenbar handelt es sich bei dem Thema für viele Menschen um etwas, was sie lieber umgehen würden, da sie es als unpassend und anstössig empfinden und welches sie lieber verdrängen möchten. Jeder kann diese Probe auch an sich selbst durchführen: Wer nimmt einen Rollstuhlfahrer, den er zufällig trifft, als Menschen mit sexuellen Bedürfnissen wahr oder betrachtet ihn (oder sie natürlich) hinsichtlich seiner/ihrer sexuellen Ausstrahlung als möglichen Sexualpartner? Seien wir ehrlich, das ist im Gegensatz zu offenkundig nichtbehinderten Menschen doch wohl eher selten der Fall...
Dies kann nur zu der Erkenntnis führen, dass es mit unserer Offenheit, Enttabuisierung und Permissivität gegenüber dem Thema Sexualität bzw. Behinderung nicht gerade zum besten bestellt ist und wir keineswegs so progressiv sind, wie wir immer gerne glauben möchten. Es bleibt also noch sehr viel Arbeit zu leisten, bis wir endlich die Sexualität als Notwendigkeit und Funktion des Menschen begreifen, sei er nun behindert oder nicht.[3]
1.1 Was ist Behinderung? Was ist Sexualität?
Eine genauere Definition der beiden Begriffe erscheint mir hier angebracht. Unter Behinderung versteht man im allgemeinen die ungenügende Fähigkeit des Einzelnen zur Erfüllung gesellschaftlicher Anforderungen, wie z.B. Arbeit oder Reproduktion. Unser Menschenbild ist von einer bestimmten - meist stark idealisierten (siehe dazu das folgende Kapitel) - Norm erfüllt, Abweichungen werden als Behinderungen bezeichnet. Ursachen hierfür können genetische Defekte, Krankheiten oder Unfälle sein. Von staatlicher Seite wird vüersucht, die Behinderungen zu differenzieren, wie z.B. in der Unterteilung in körperliche, geistige oder seelische Behinderung zu erkennen ist. Diese "objektive" Feststellung von Behinderung vernachlässigt jedoch die schlechte Nachweisbarkeit von seelischen und geistigen Behinderungen sowie die subjektive Definition von Behinderung, die der Betroffene selbst vornimmt. Ein wichtiges Kriterium ist auch die Beeinträchtigung der Beziehungen zur Umwelt und der sozialen Integration.[4] Für mich steht immer die Frage im Vordergrund, ob jemand sich selbst als behindert betrachtet oder nicht. Gleichzeitig wirft sich die Frage auf, ob Individuen behindert sind oder von unserer Gesellschaft behindert werden...Jeder Gehbehinderte kennt die folgende Situation: Man steht auf einem Bahnhof und stellt fest, dass die Züge nur nach Überwindung zahlreicher Treppen zu erreichen sind, an Menschen mit Behinderung wurde hier offensichtlich nicht gedacht. Gleichzeitig trifft dasselbe Problem jedoch auch auf eine Mutter mit einem Kind im Kinderwagen zu. Ist diese Frau nun auch behindert oder wird sie behindert...?
Sexualität bezeichnet beileibe nicht nur den eigentlichen geschlechtlichen Akt zur Reproduktion, auch wenn diese Ansicht heute durchaus noch weit verbreitet scheint. Sexualität ist auch Erotik, Streicheln, Petting, Massagen, Masturbation usw.. Sexualität besteht also keinesfalls nur aus dem reinen Koitus und der Fixierung auf den Genitalbereich. Die Gleichsetzung von Sexualität mit Geschlechtsverkehr hat etwas mit unserer patriarchalischen Gesellschaftsform und weniger mit den tatsächlichen Gegebenheiten zu tun. Andere Völker verfügen über eine abweichende Sexualkultur, was wir uns ruhig öfters einmal klarmachen sollten. Masturbation ist eine vollwertige Art von Sexualität und kein "Notfallersatz". Penetration und Orgasmus sind nicht die einzigen Ausdrucksformen von Sexualität und sie sind auch nicht zwingender Bestandteil derselben. Ich denke, wir sollten lernen, dass Sexualität viel mehr ist, als in unserer patriarchalisch geprägten Gesellschaft häufig empfunden wird. Wir sind nicht mehr auf die Erhaltung der Art angewiesen (eher das Gegenteil ist der Fall), daher verfügen wir auch über einen grösseren Spielraum innerhalb der Sexualität. Sexualität hat in meinen Augen etwas mit dem überschreiten von Grenzen zu tun, ungeachtet dessen, wo diese Grenzen liegen mögen. [5] Wir sollten dabei auch nicht ausser acht lassen, dass gerade diese Grenzen zumeist nur in unseren Köpfen bestehen und keine unveränderlichen körperlichen Fakten darstellen. Wie sonst ließe sich erklären, warum so viele nichtbehinderte Menschen ebenfalls unter sexuellen Problemen zu leiden haben? Sexuelle Störungen treffen Behinderte ebenso wie Nichtbehinderte. Die bereits frühkindliche Prägung von Männern auf ihren Penis als wichtigstes Teil ihrer Selbstverständnisses bezüglich sexueller Fähigkeiten lässt viele Männer in dem Glauben, Impotenz sei ein Zeichen von Unmännlichkeit, weil man "nicht mehr seinen Mann steht" und seinen Sexualpartner nicht mehr zu befriedigen in der Lage ist. Ein Mann besteht jedoch genauso wie jeder andere Mensch nicht nur aus seiner Erektions- oder Orgasmusfähigkeit, sondern viele ganz andere Eigenschaften wie beispielsweise sein Charakter oder die Versorgungsfähigkeit machen ihn für das gleiche oder andere Geschlecht attraktiv.[6] Gleichzeitig empfinden viele Frauen die genitale Penetration allein als nicht befriedigend und als unzureichende Stimulierung, es müssen noch andere Reize und Stimulationen hinzutreten, um einen Orgasmus zu erleben.[7] PRO FAMILIA definiert eine Ganzkörper-Sexualität wie folgt:
Orgastisches Erleben ist nicht auf die Intaktheit der genitalen Funktionen angewiesen (es kommt vor, dass trotz aller Intaktheit der Sexualorgane kein Orgasmus entsteht, weil die psychischen Gegebenheiten nicht stimmig sind). [...] Mit jedem unserer Sinnesorgane können wir erotische und sexuelle Reize wahrnehmen, nicht nur die "erogenen Zonen" unseres Körpers, sondern alle Körperteile sind in der Lage, auf Stimulierungen sexuell zu reagieren.[8]
Dies impliziert, dass auch alle anderen Reize jenseits des Genitalbereiches (wie Phantasien, Blicke, Wünsche, Gerüche, Geschmack und Zärtlichkeiten) integraler Bestandteil unserer Sexualität sind und zu lustvollem Empfinden beitragen.
Zusammenfassend kann also konstatiert werden, dass sexuelle Störungen häufig durch bestimmte Denkmodelle und gesellschaftliche Prägungen, jedoch viel seltener durch körperliche Gebrechen allein entstehen. Damit betreffen sie Behinderte gleichermaßen wie Nichtbehinderte. Wie sonst ließe sich auch der große Zulauf erklären, den Sexualberatungsstellen heute erfahren? H. Offenhausen geht sogar soweit anzunehmen, dass die Mehrheit aller Erwachsenen irgendwann in ihrem Leben einmal mit sexuellen Problemen irgendeiner Art konfrontiert wird.[9]
Ich möchte mich nun jedoch wieder den besonderen Schwierigkeiten behinderten Lebens zuwenden und die Frage nach dem Gesellschaftsbild und dem Selbstbild von Behinderten stellen.
1.2 Schön und leistungsfähig = perfekt?
Unser heutiges Gesellschaftsbild ist insbesondere von Leistungsfähigkeit, Schönheit und Perfektion geprägt. Sexualität wird gleichgesetzt mit Jugend, Schönheit, Gesundheit, Erfolg und Unversehrtheit. Um sexuell attraktiv zu sein wird uns tagtäglich auch gerade durch die Medien suggeriert, dass wir dem Schönheitsideal des schlanken, jungen und allzeit leistungsfähigen Menschen zu entsprechen haben. Freude an Sexualität, so wird uns vermittelt, hat nur, wer sich den gängigen Wünschen nach Perfektion und Idealtypus unterwirft. Alte Menschen beispielsweise gelten noch heute für viele als asexuelle Wesen ohne sexuelle Wünsche und Bedürfnisse. Bei diesen vorherrschenden Idealen und ständig präsenten Darstellungen nimmt es daher nicht Wunder, dass sich viele Menschen und nicht nur Behinderte als minderwertig, inadäquat oder defizitär empfinden. Nicht umsonst nehmen daher immer mehr völlig gesunde Menschen Schmerzen und Narkosegefahren oft leichtfertig auf sich, um sich chirurgisch dem vorherrschenden Idealbild vom makellosen Menschen anpassen zu lassen. Gleichzeitig hungern Menschen freiwillig und geben horrende Summen für Schlankheitskuren aus, nur um sich einem möglicherweise gar nicht so gesunden Bild eines extrem schlanken (und damit gleichzeitig als schön und leistungsfähig empfundenen) Menschen um nahezu jeden Preis anzunähern.[10] Psychische Faktoren und Implikationen bleiben hier bedauerlicherweise häufig unbeachtet. Es ist offenkundig, dass gerade körperlich Behinderte diesem Idealtypus nur in den seltensten Fällen entsprechen können. Das Selbstbild vieler Behinderter ist daher oft von diesen idealisierten Vorstellungen geprägt: Behinderte betrachten sich in besonderer Weise als defizitär und "defekt", weil ihnen angeblich etwas fehlt und sie sich als unattraktiv betrachten, gestehen sich viele kein Recht auf Sexualität zu und/oder glauben sich ohnehin chancenlos, einen Sexualpartner finden zu können. Entwicklungspsychologisch besteht für von Geburt an Behinderte zudem das Problem, dass die Prägung der Sexualität über das Annehmen des eigenen Körpers als etwas gutes und richtiges und die Bewusstwerdung des eigenen erotischen Potentials empfindlich gestörrt wird.[11] Unsere Betonung der genitalen Sexualität führt zudem vor allen Dingen bei Querschnittsgelähmten zu der irrigen Ansicht, sie seien zu keinem sexuellen Empfinden mehr in der Lage.[12]
äusserst wichtig erscheint mir daher, uns folgendes klar vor Augen zu führen:
"Jeder Mensch, gleich welchen Geschlechts und Alters, ob behindert oder nicht, ist ein geschlechtliches Wesen. Aber leider weiß man nicht nur in der Öffentlichkeit, sondern auch in dem Personenkreis, der beruflich mit Behinderten umgeht, und ebenso wie in den Familien von Behinderten, meist nichts von deren sexuellen Bedürfnissen, oder man will nichts davon wissen. Dabei hat jeder Mensch ein Recht auf ein Sexualleben, und es ist kaum eine Behinderung denkbar, bei der der Wunsch nach Sexualität völlig fehlen würde. Sexuelle Lust zu empfinden, gemeinsam mit einem Partner oder alleine, hängt nicht unbedingt von einer Erektion oder genitalen Empfindung ab."[13]
Genau hier sollte m. E. auch die Beratungs- und Öffentlichkeitsarbeit für Behinderte ansetzen. Wichtig ist eine Förderung des Selbstwertgefühls der Behinderten und eine intensive Kommunikation. Eine Aussöhnung mit dem eigenen Körper, der als fehlerhaft empfunden wird und das Annehmen genau dieses Körpers erscheinen mir als die beste Voraussetzung für ein künftiges ausgefülltes Sexualleben. Grenzen, die geistiger und körperlicher Art sind, können überwunden werden, sei es, indem man bewusst ein anderes Bild von Sexualität als von männlich geprägter Penetration des Genitalbereiches vermittelt und behinderte Menschen aktiv darin unterstützt und ermutigt, eigene Formen von Sexualität zu erkunden und zu entwickeln oder indem man ihnen Hilfsmittel vorstellt und an die Hand gibt, die es ihnen ermöglichen, ein selbstbestimmtes und erfülltes Sexualleben zu führen. Die Emanzipation der Behinderten kann jedoch nur dann erreicht werden, wenn jeder bereit ist, Abstand von gängigen Rollenzuschreibungen und Mustern zu nehmen und idealisierte Vorstellungen von Männern und Frauen über Bord zu werfen. Dazu gehört als unverzichtbarer Bestandteil auch, sich als Behinderter mit seinen eigenen Denkmustern und dogmatischen Ansätzen auseinanderzusetzen und sich gegebenenfalls von ihnen zu befreien.[14] Wir alle sind daher aufgerufen, unsere Denk- und Verhaltensvorstellungen immer wieder zu überprüfen und kritisch zu hinterfragen. Nichts muss so bleiben, wie es ist und nichts ist auch allein deshalb schon als richtig anzuerkennen, weil es schon immer so war und die Mehrheit der Gesellschaft es noch immer so sieht...
Ich möchte hierzu abschliessend gerne noch eine, wie ich finde, beachtenswerte Aussage von L. Sandfort zitieren, die nicht ausschließlich auf Behinderte zutrifft:
"Natürlich reichen Äusserlichkeiten alleine für eine erfüllte Beziehung selten aus. Wichtig ist auch, wie selbstbewusst wir uns präsentieren. Das ist das eigentliche Ziel der Emanzipation, sich so zu mögen, dass wir tatsächlich glauben können, dass wir begehrenswert sind. Wahre Schönheit kommt von innen, heisst es so gelungen."[15
1.3. Neue Wege
Im folgenden Abschnitt möchte ich gerne neuere Ansätze in der Arbeit mit Sexualität und Behinderung vorstellen und dazu auch ansatzweise das konkrete Beispiel des "Institutes zur Selbst-Bestimmung Behinderter (ISBB)" in Trebel präsentieren. (Anmerkung: den entsprechenden Link findet ihr oben...)
1.3.1 Sexualbegleitung und Sexualhilfe
Hierbei handelt es sich um ein relativ neues Konzept, dass durch Selbsthilfegruppen vorwiegend behinderter Männer entstand. In diesen Gruppen wurden diverse Forderungen aufgestellt, wie beispielsweise die nach Anerkennung von sexueller Befriedigung als Teil der Gesundheitspflege und die finanzielle Ermöglichung von Besuchen durch männliche oder weibliche Prostituierte.[16] Gerade die letzte Bestrebung ist innerhalb der Medien und der Bevölkerung auch als "Sex auf Krankenschein" bekannt. Gegen diesen Ausdruck möchte ich mich jedoch ganz explizit verwahren, impliziert er doch, dass die Sexualität von Behinderten als "krank" bezeichnet wird! Krankenkassen sind für die Behandlung von Krankheiten und Hilfsmittel zu deren Abhilfe zuständig, ein bezahlter Sexualpartner behandelt aber niemanden im medizinischen Sinne. Die Finanzierung sollte daher gegebenenfalls über die Sozialhilfe erfolgen, damit Behinderte Kunden von Sexualdienstleistern bleiben können und nicht zu Bittstellern degradiert werden.[17]
Hierbei wird auch offenkundig, dass viele Behinderte sexuell aktiv sein möchten und ihr Empfinden völlig intakt ist, ihnen jedoch aufgrund der Behinderung Selbstbefriedigung unmöglich ist und sie auch nicht über einen entsprechenden Sexualpartner verfügen.[18]
Die Umsetzbarkeit der Forderung nach "Sexualhilfe" als Teil der Gesundheitspflege ist nur unter bestimmten Voraussetzungen erfüllbar, da ursprünglich angedacht war, sie solle von Pflegerinnen und Pflegern geleistet werden. Einerseits kann man solche Hilfeleistungen von professionellem Pflegepersonal nicht verlangen, sie müssten also auf freiwilliger Basis erfolgen. Pflegen eigene Familienangehörige (ausser den Ehepartnern) sind sie schlicht und einfach gar nicht zu leisten. Wichtig ist hierbei auch eine klare Grenze zwischen Hilfe und Missbrauch, denn Abhängigkeit kann leicht für eigene Bedürfnisse ausgenutzt werden. Es besteht daher immer die Gefahr, dass jene Grenze verschwimmt oder überschritten wird. Daher halte ich das Modell von Pflegekräften als Sexualhelfern für wenig wirklichkeitsnah. Sollten jedoch in beidseitiger Übereinstimmung von Behindertem und Pflegepersonal diese sexuellen Kontakte stattfinden, dürfen sie weder moralisch noch rechtlich verurteilt bzw. sanktioniert werden.[19]
"Moral und Ethik haben nichts damit zu tun, mit [...] wem man ins Bett geht, sondern wie Menschen miteinander umgehen"[20] stellt PRO FAMILIA hierzu äusserst treffend fest.
Unbestritten nachvollziehbar ist auch die Forderung Betroffener, behinderten Partnern beim Ausleben ihrer Sexualität als Pflegepersonal behilflich zu sein, z.B. dadurch, dass beide gemeinsam hingelegt werden oder entsprechende ungestörte Räume für das Ausleben der Sexualität vorgehalten werden.[21]
Interessanter und realistischer erscheint mir hierzu das Konzept des ISBB in Trebel, welches ich anschliesend vorstellen möchte.
Leider kann ich im Rahmen dieser Arbeit das Konzept der Sexualbegleitung nur schlaglichtartig vorstellen. Für nähere Informationen kann ich die Lektüre des Buches von Lothar Sandfort "Hautnah"[22] nur wärmstens empfehlen. Das ISBB bietet Beratung von Behinderung Betroffener und Workshops zu verschiedenen Themengebieten, dazu gehört auch Sexualität, an. In den sogenannten Erotik-Workshops arbeiten Behinderte unter Anleitung gemeinsam und auch unter Zuhilfenahme von Sexualbegleitern oder -begleiterinnen. Diese Sexualbegleiter können ehemalige Prostituierte oder anderweitig interessierte, offene Personen sein, die sich mit Behinderten und ihren Problemen auseinandersetzen und ihnen bei der Entwicklung und Umsetzung einer eigenen Form der Sexualität behilflich sein wollen. Das ISBB bietet gleichzeitig eine Ausbildung für Sexualbegleitung an. In den Workshops werden Übungen angeboten, die die Behinderten ihrem eigenen Körper und ihrer eigenen Erotik näherbringen sollen, dazu gehören Gesprächgruppen ebenso wie praktische Übungen. Nicht nur die Sexualität soll hier emanzipiert werden, sondern der Behinderte insgesamt. Dazu gehören auch entsprechend eingerichtete Räume mit Tüchern, erotischen Bildern, Kerzen, Nebelbrunnen, Zimmerpflanzen, zahlreichen Duftfläschchen und Sexspielzeugen sowie Badezimmer mit verschiedenen Wasserspiel-Möglichkeiten, die insbesondere Behinderte, die unter Inkontinenz zu leiden haben, besonders bevorzugen. Der Umgang mit den verschiedenen Sexspielzeugen wird von den Sexualbegleitern erläutert und demonstriert. Abends finden sinnliche Dinners mit edlen Getränken, erotischen Speisen und dem Vortrag von Essays und Gedichten statt. Zudem hat jeder Teilnehmer die Möglichkeit, die Sexualbegleiter für Einzelsitzungen zu buchen, Zeit und Preis werden dazu zwischen den Teilnehmern und Begleitern persönlich besprochen und vereinbart.
Bei der Ausbildung in Sexualbegleitung wird wert darauf gelegt, dass die Ausbilderinnen und Ausbilder selbst Prostituierte waren oder sind, da nach Meinung des ISBB Sexualbegleitung eine Form der Prostitution bleibt, wenn auch unter anderen Vorzeichen und in einem gänzlich anderen Umfeld.
Inzwischen wird der ISBB von entsprechend offenen Institutionen wie z.B. Behindertenpflegeheimen eingeladen, diese Erotik-Workshops auch dort abzuhalten, was ich persönlich für einen ganz ausgezeichneten Ansatz zur Verbreitung des Grundgedankens der professionellen Sexualbegleitung von Behinderten halte. Zudem bereist L. Sandfort den deutschsprachigen Raum und stellt sein Konzept auf Fachtagungen vor.[23]
Anschliessend möchte ich noch ein weiteres Konzept der Behindertenarbeit kurz vorstellen, da es mir bedeutend erscheint.
Das Peer-Counselling ist eine aus der emanzipatorischen Behindertenbewegung stammende Methode. Hierbei beraten nach entsprechender Schulung in Gesprächs- und Systemtechniken Betroffene Betroffene. Ziel dieser Ausbildung ist die Befähigung von Behinderten, andere Behinderte in jeder Hinsicht unterstützen und begleiten zu können, auch Nichtbehinderte profitieren zunehmend vom Wissen und den Einblicken dieser Berater bei ihrer Arbeit oder ihrem Leben mit Behinderten.[24] Viele Vereine und Beratungsstellen arbeiten mittlerweile nach diesem Konzept. Auch die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft e.V. bietet inzwischen ihren betroffenen Mitgliedern eine solche Zusatzqualifikation in vier Bausteinen über zwei Jahre verteilt an. Viele Behinderte fühlen sich bei einem Berater oder einer Beraterin, der/die selbst behindert ist, gelöster und besser verstanden, viele Probleme bedürfen gar keiner gesonderten Erläuterung, da sie als bekannt vorausgesetzt werden dürfen. Auch ich persönlich habe die Erfahrung gemacht, dass Betroffene mit Betroffenen häufig verständnisvoller umgehen. Dies soll nun wahrlich kein Vorwurf an nichtbehinderte Berater oder Beraterinnen sein, jedoch kann man als unmittelbar selbst Betroffener vieles einfacher nachvollziehen und es bedarf weniger ausgiebiger Erklärungen von persönlichen Schwierigkeiten.
Zweifelsohne bietet das Internet auch Behinderten zahllose Angebote und Möglichkeiten. Dort findet man nicht nur gesetzliche Grundlagen, die für Behinderte von besonderer Bedeutung sind, sondern auch Informationen zu nahezu allen nur denkbaren Krankheitsbildern. Erhältlich sind zudem Adressen von Vereinen und Selbsthilfegruppen, die über sich selbst daneben häufig auch gleich informieren. Es existieren Foren, in welchen sich Betroffene untereinander austauschen oder Expertenrat einholen können. Für viele Betroffenen besonders wichtig sind auch die sogenannten Chats: Hier hat jeder Behinderte die Möglichkeit, andere Menschen ohne den ersten sichtbaren Eindruck von Behinderung kennenlernen zu können. Dabei spielen Äusserlichkeiten entgegen unserer sonstigen Umwelt keine Rolle, die Behinderten erhalten die Chance, sich selbst und seinen Charakter ohne eine Sichtbarkeit seiner Einschränkungen vermitteln zu können. Ein späteres persönliches Kennenlernen ist ebenfalls nicht ausgeschlossen, wenn man dabei auch auf Enttäuschungen vorbereitet sein sollte: Nicht immer deckt sich die "virtuelle Zwischenfigur" die wir uns von einer Person machen, mit der Realität. Aber dies ist bei Nichtbehinderten genauso der Fall wie bei Behinderten, insofern entsteht kein besonderer Nachteil für Behinderte.[25]
Die Krankheit Multiple Sklerose (medizinisch korrekt E.d. = Encephalomyelitis disseminata = verstreute Hirn/Rückenmarksentzündung) wird nicht umsonst gerne als die "Krankheit der 1000 Gesichter" bezeichnet, wie ich auch selbst aus eigener Erfahrung als Betroffene bestätigen kann. Eine medizinische Abhandlung zum Krankheitsbild erscheint mir hier entbehrlich, die Ursachen und die genauen ablaufenden Prozesse der Erkrankung sind nach wie vor unbekannt, MS ist unheilbar. Der Facettenreichtum der Symptome und die höchst unterschiedlichen Verlaufsformen, die keinerlei Prognose zulassen, lassen es der jüngeren medizinischen Fachliteratur gemäß auch möglich erscheinen, dass diverse verschiedene Erkrankungen unter dem Begriff "MS" subsumiert werden.
2.1 Krankheitsbedingte Störungen durch MS
Im folgenden möchte ich die möglichen Störungen und Einschränkungen durch MS kurz auflisten, da diese zum Verständnis der denkbaren auftretenden sexuellen Störungen beitragen. Keine MS-Erkrankung eines Betroffenen gleicht der des nächsten Betroffenen, die Symptome können in unterschiedlicher Stärke und Gewichtung, nur zeitweise oder manche auch gar nicht bei den einzelnen Betroffenen auftreten. Manche Störungen treten auf und verschwinden wieder, andere bleiben bestehen und verschlimmern sich im Laufe der Zeit.
Neurologische Symptome der MS:
- Spastiken/Lähmungen
- Empfindungsstörungen
- Gleichgewichts- und Koordinationsstörungen
- Sehstörungen (Sehnerventzündung, Gesichtsfeldausfall, Doppelbilder, Nystagmus)
- Vegetative Symptome: Blasenstörungen, Darmstörungen, organische Sexual-
funktionsstörungen
- Sprachveränderung
- Starke Kreislaufstörungen
- Lhermitte'sches Zeichen
- Schmerzen (neuropathische Schmerzen am ganzen Körper und den Extremitäten,
Trigeminusneuralgie im Gesicht)
- Gesichtslähmung
- Hörsturz
- Epileptische Anfälle
- Akute psychische Störungen[26]
Die Vielzahl der aufgeführten Symptome macht deutlich, welche möglichen sexuellen Störungen aus ihnen heraus resultieren können. Die eventuellen Störungen sollen im folgenden aufgezeigt werden, ebenso wie ihre Möglichkeiten der Behandlung.
Zu Beginn dieses Kapitels möchte ich zuerst ein wenig Statistik betreiben. Diverse Studien und Befragungen von 1969 bis 2000 zu sexuellen Störungen unter MS-Betroffenen kamen zu folgenden Ergebnissen: So berichteten 45-74% der befragten Frauen und 55-94% der befragten Männer von Störungen der Sexualfunktion, die höhere Quote bei Männern lässt sich dahingehend erklären, dass auch geringe Störungen bei der Aufrechterhaltung der Erektion Auswirkungen auf die Fähigkeit zum Geschlechtsverkehr haben können. Sexuell aktiv sind noch 55-92% der Patienten, wobei jedoch die Häufigkeit des Geschlechtsverkehrs abgenommen habe, wie 37-88% angaben (die Zahl bei Frauen lag mit 31-73% etwas niedriger). Immerhin empfanden noch immer 61-88% der Frauen und 44-62% der Männer ihre Sexualität als befriedigend. Gleichzeitig berichten jedoch 33% der Männer und 19% der Frauen von Beziehungsproblemen, die nach ihren Angaben durch sexuelle Störungen hervorgerufen wurden.
Insgesamt lassen die Ergebnisse die Vermutung zu, dass die neurologischen Störungen ausgelöst durch die Erkrankung häufiger zu Veränderungen im sexuellen Reaktionsvermögen führen als psychologische Faktoren, die jedoch nicht unberücksichtigt bleiben dürfen.[27]
Es lassen sich drei Arten von Störungen beschreiben, die durch die Erkrankung ausgelöst werden können:
1. Funktionsstörungen der Nervenbahnen bedingt durch Läsionen (Verletzungen) in Gehirn
und Rückenmark, die einen direkten Einfluss auf die Sexualfunktionen haben (sogenannte
primäre Störungen)
2. Störungen der Blasen- und Darmfunktionen sowie der Sensibilität und Symptome wie
Müdigkeit, Spastiken, Schwäche (sekundäre Störungen) und
3. Störungen, die durch psychologische, soziale und kulturelle Einflüsse hervorgerufen
werden (tertiäre Störungen).[28]
Im folgenden sollen diese Störungen genauer beschrieben werden:
2.2.1 Primäre Störungen
Die primären Störungen betreffen vor allen Dingen organische, durch die Erkrankung ausgelöste Defekte im Nervenleitsystem. Diese können sowohl das willkürliche wie auch das vegetative Nervensystem betreffen, je nach Lage der vorhandenen Läsionen im Gehirn und/oder Rückenmark. Beide Nervensysteme sind an der sexuellen Reaktion beteiligt.
Bei den organischen Störungen werden leider oft genug noch immer nur diejenigen betrachtet, die einen Einfluss auf die Genitalregion haben, nicht jedoch die anderen Körperregionen wie erogene Zonen beispielsweise, die an der sexuellen Reaktion ebenfalls maßgeblich beteiligt sind.
Die auftretenden organischen Störungen bei MS sind bevorzugt im Bereich der Libido (sexuelle Erregbarkeit, einerseits hervorgerufen durch psychische Reize und andererseits durch direkte Stimulation der Genitalien; diese Reize sind reflexive Reize, da sie auch ohne Beteiligung des Gehirns z.B. nach dem Durchtrennen des Rückenmarks zu sichtbarer sexueller Erregung führen können) zu finden, wohl ausgelöst durch Reizleitungsstörungen des autonomen Nervensystem. Daraus resultieren Erektionsprobleme bei Männern und mangelnde Feuchtigkeit der Vagina bei Frauen. Ebenso werden Probleme bei der Ejakulation beobachtet, einmal in Form von retrograden Ejakulationen (ein Zurückfließen des Ejakulats in die Blase anstelle eines Ausstoßes der Samenflüssigkeit nach aussen) sowie in Form von Ejakulationsunfähigkeit oder prämaturer (vorzeitiger) Ejakulation. Gerne werden die Begriffe Ejakulation und Orgasmus synonym gebraucht, obwohl es sich um zwei völlig verschiedene und voneinander durchaus unabhängige Erscheinungen handeln kann. Beim Orgasmus handelt es sich eher um ein "geistiges" und weniger um ein Erlebnis des Unterkörpers, auch wenn dies heute noch immer gerne anders dargestellt wird. Nichtsdestotrotz kann die Erkrankung Auswirkungen auf die Empfindungsfähigkeit eines Orgasmus haben, auch wenn die Fähigkeit zur vollständigen körperlichen Reaktion vorhanden sind. Umgekehrt berichten Männer mit Rückenmarksverletzungen durchaus über das Erleben eines Orgasmusses ohne Ejakulation und sogar ohne genitale Stimulation.[29]
2.2.2 Sekundäre Störungen
Als sekundäre Störungen werden diejenigen bezeichnet, die zwar den normalen sexuellen Ablauf nicht organisch beeinflussen, die aber durch andere durch MS verursachte Problematiken beeinflusst werden. So können viele MS-Symptome die Sexualität erschweren oder verhindern:
- Abnorme Ermüdbar- und Erschöpfbarkeit - auch schon für gesunde Menschen ist Müdigkeit und Erschöpfung ein wahrer "Lustkiller", eine krankheitsbedingte Verstärkung führt auch zu einer Erhöhung der "Killerfunktion"
- Spastiken und Lähmungen (vor allen Dingen in den Beinen) - sexuelle Handlungen werden erschwert; bestimmte Stellungen können nicht mehr eingenommen werden und Bewegungsabläufe sind eingeschränkt oder eine Art von Passivität wird körperlich erzwungen
- Blasen- und Darmstörungen - Die Furcht vor Inkontinenz oder das Tragen von Dauerkathetern behindern den Geschlechtsverkehr nachhaltig
- Medikamente - bestimmte Medikamente führen zu Einschränkungen der Sexualfunktion in Form von abnehmender Libido und geringerer Erektions- und Orgasmusfähigkeit wie z.B. Antispastika, Antidepressiva und Neuroleptika[30]
2.2.3 Tertiäre Störungen
Das Erleben von Sexualität ist von vielen verschiedenen Faktoren abhängig, zu welchen auch psychische, soziale und kulturelle gehören. So ist das positive Selbstbild eines Menschen eine entscheidende Voraussetzung für eine erfüllte Sexualität. Wird der Körper jedoch als defizitär oder defekt wahrgenommen, kann dies leicht zu psychischen Beeinträchtigungen und damit zu sexuellen Störungen führen. Auch das durch unsere Leistungsgesellschaft vermittelte Bild, in welchem nur Leistung und perfektes Äusseres zählen, ist für Behinderte allgemein und nicht nur für MS-Kranke ein wirklicher Hemmschuh. MS-Kranke, die nicht mehr ihr gewohntes Pensum zu leisten in der Lage oder auf Assistenz angewiesen sind, empfinden sich häufig als wertlos, überflüssig oder gar lästig, sie entwickeln auch aufgrund der veränderten Körperwahrnehmung (z.B. durch Sensibilitätsstörungen oder Einschränkungen der Beweglichkeit) ein negatives Selbstbild und es entstehen sich selbst, den Partnern und der Gesellschaft gegenüber Schuldgefühle. Zusätzlich erzeugt die Unberechenbarkeit des Krankheitsverlaufes weitere Unsicherheit und psychische Belastungen. Verursacht durch die möglichen aus den vorgenannten Problemen resultierenden Depressionen werden häufig Libidostörungen beobachtet, die das Verhältnis der Betroffenen zu sich selbst und den Lebenspartnern zusätzlich belasten, da eine Einschränkung des Sexuallebens erfolgt.
2.3 Diagnostik von sexuellen Störungen bei MS
Aus den vorherigen Ausführungen wird ersichtlich, wie vielfältig die Ursachen von sexuellen Störungen bei MS zu sein vermögen. Um eine entsprechende Therapie einleiten und planen zu können, ist eine genaue körperliche und psychische Diagnostik bei jedem einzelnen Betroffenen äusserst wichtig, wenn auch nicht immer einfach und klar abgrenzbar möglich. Organische Störungen werden mit Hilfe von körperlichen Untersuchungen in Gestalt des Ausschlusses zus�tzlicher Gef��erkrankungen und Messungen der nächtlichen Erektionsfähigkeit bei Männern (NPT[nocturnal penile tumescence]-Messungen) und Frauen (Vagina-Photolethysmographien) festzustellen versucht. Allerdings ist hierbei immer zu berücksichtigen, dass unklare oder fehlende positive Untersuchungsergebnisse aufgrund der Komplexität der organischen Funktionsabläufe und ihrer nicht völligen Durchschaubarkeit seitens der Medizin eine organische Ursache nicht zwingend ausschließen müssen.[31]
2.4 Mögliche Behandlungen der Störungen
Eine Möglichkeit der Behandlung von MS-bedingten Sexualstörungen liegt in intensiver Auseinandersetzung der Betroffenen selbst mit den eventuell auftretenden Störungen. Hierbei stellen die Fähigkeit zu sexuellem Umdenken und intensiver Kommunikation die bedeutendste Grundlage zur Verarbeitung dar. Insbesondere die Kommunikation mit den jeweiligen Sexualpartnern ist unverzichtbar. Welche Anpassungen der Sexualität müssen aufgrund von Behinderungen vorgenommen werden? Welche Probleme sind entstanden? Wie reagiert der Partner/die Partnerin auf Störungen der Sexualität, nimmt er sie überhaupt war und wie und wie bedeutend empfindet er/sie sie? Offenheit mit sich selbst und im Gespräch sind eine unverzichtbare Voraussetzung zur Lösung von Problemen, dies gilt für jede Form von Störungen der Beziehung, nicht nur für sexuelle Schwierigkeiten. Die Suche nach sexuellen Alternativen muss in den Verarbeitungsprozess integriert werden. Die bei uns herrschende gesellschaftliche Vorstellung, nur Geschlechtsverkehr sei "richtige" Sexualität ist zu hinterfragen, denn, wie bereits in Teil 1 dieser Arbeit aufgezeigt, empfinden bereits viele gesunde Menschen die rein genitale Form der Sexualität als nicht erfüllend und befriedigend. Neue Praktiken und Techniken sowie alternative Formen der Sexualität müssen vielleicht entwickelt werden, wenn ein Mensch behindert ist oder wird, welche aber durchaus zu einer funktionierenden und befriedigenden Form der Sexualität zu führen imstande sind. Die eigene Sexualität muss angenommen werden und vielleicht veränderte Bedürfnisse müssen dem Partner mitgeteilt werden. Folgende Forderungen erscheinen mir hier besonders wichtig:
- Reden Sie mit Ihrem Partner!
- Werfen Sie Vorurteile über Bord!
- Seien Sie experimentierfreudig!
- Finden Sie neue Wege![32]
Sind die sexuellen Probleme gravierend und (zer)stören eine Beziehung nachhaltig, so sollte eine kompetente professionelle Beratung, wie sie z.B. die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) e.V. oder PRO FAMILIA sie bietet, in Anspruch genommen und eventuell eine Paar- oder Gesprächstherapie eingeleitet werden. Auch der Austausch mit anderen Betroffenen in Selbsthilfegruppen oder durch Peer-Counsellor (Betroffene beraten Betroffene) hat sich als äusserst hilfreich erwiesen.
2.4.1 Therapie bei organischen Störungen
Für organische Störungen stehen mittlerweile eine ganze Reihe von Hilfsmitteln und Medikamenten zur Verfügung, die folgend genauer vorgestellt werden sollen.
2.4.1.1 Erektionsstörungen
Bei Erektionsstörungen seien hier vor allem folgende Interventionsmöglichkeiten zu nennen:
- Vakuumerektionshilfen - hierbei wird mit Hilfe einer Pumpe ein Vakuum erzeugt und der Penis füllt sich mit Blut, ein Ring staut das Blut im Penis und ermöglicht so eine verlängerte Erektion; diese Hilfsmittel sind in Sanitätshäusern und Erotika-Fachhandel erhältlich,
- Schwellkörperinjektionstherapien (SKAT) - die Wirkstoffe Papaverin, Phentolamin, Prostaglandin E1 (heute bevorzugt) oder eine Kombination derselben werden von dem Betroffenen selbst an den Seiten des Penis injiziert und einmassiert; selbstredend kann diese Therapie nur unter Aufsicht eines Arztes und nach entsprechender Unterweisung des Betroffenen erfolgen, auch können Nebenwirkungen nicht ausgeschlossen werden
- die Medikamente
1. Testosteron - nur bei strenger Indikationsprüfung und erwiesenemTestosteronmangel,
2. Yohimbin - größere Wirksamkeit bei psychogenen Störungen wahrscheinlich
3. Sildenafil ("Viagra") - stellt bei Erektionsstörungen die normale Reaktionsfähigkeit auf sexuelle Stimulation wieder her und erhöht die Schwellkörperdurchblutung, zeigt aber weder Wirkung auf die Libido noch die Orgasmusfähigkeit und löst auch allein keine Erektion aus; alle Medikamente dürfen nur nach strengster Indikationsprüfung durch den Arzt angewandt werden, da sie teilweise zu erheblichen Nebenwirkungen führen können,
4. Nitroglycerin- und Ergotaminpaste - direkt in den Penis einmassiert zeigten sie in einer Studie bei 58% der Probanden eine Verbesserung der Erektion gegenüber 8% unter Placebo,
5. Apomorphin (Parkinsonmittel) und Zyban ("Antiraucherpille")- befinden sich im Test- und Studienstadium,
- Operative Therapien - nur nach Ausschöpfung aller anderen Therapiemöglichkeiten kommt die Implantation von Penisprothesen in die Schwammkörper auf beiden Seiten des Penis in Betracht, die Implantation ist irreversibel, da sie den Aufbau des Penis zerstört; es stehen verschiedene Implantatsformen wie teilsteife, biegsame oder mehrteilige aufpumpbare Implantate zur Verfügung; die Nebenwirkungen können erheblich sein und bei 2-8% besteht das Risiko, dass die Prothesen nicht funktionieren und/oder sich verschieben.
2.4.1.2 Mangelnde Befeuchtung der Vagina
Ein vermindertes Empfindungsvermögen und Sensibilitätsstörungen können im Bereich der weiblichen Scheide zu einer mangelnden Befeuchtung führen, was den Geschlechtsverkehr unangenehm und schmerzhaft für die Betroffene werden lässt. Hier empfiehlt sich der Einsatz eines sterilen, wasserlöslichen Befeuchtungsmittels wie Gleitgel, was im Erotika-Fachhandel erhältlich ist.
2.4.1.3 Libidostörungen
Bei Libidostörungen existieren praktisch keine spezifischen Therapien, eine Möglichkeit stellt z.B. das regelrechte Inszenieren des Geschlechtsverkehrs und die Schaffung einer erotischen Atmosphäre dar. Bei erwiesenem Testosteronmangel kann der Einsatz dieses Hormons erfolgversprechend sein, bei Frauen soll auch ein neues Mittel der Hormonersatztherapie (Tibolon) nach den Wechseljahren durchaus Erfolge bei der Steigerung der Libido zeigen. Sekundäre MS-Symptome wie abnorme Müdigkeit und Erschöpfbarkeit können mit den Medikamenten Amantadin, Pemolin oder 5-Aminopyridin bekämpft werden. Libidostörungen resultieren bei MS auch häufig aus krankheitsbegleitenden Depressionen, welche mit modernen Antidepressiva wie zum Beispiel Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmern (SRI) und/oder Psychotherapien zufriedenstellend behandelt werden können.
2.4.2 Therapie bei Störungen durch die MS-Symptomatik
Die MS-Symptomatik ist, wie bereits aufgezeigt, sehr vielfältig, daraus können zahlreiche sexuelle Probleme resultieren. Einige Therapie- und Lösungsvorschläge sollen hier exemplarisch vorgestellt werden.
2.4.2.1 Spastik
Spasmen insbesondere der Oberschenkelmuskeln können bei männlichen und weiblichen Betroffenen gleichermaßen zu Problemen führen, den Geschlechtsakt schmerzlos oder äberhaupt zu vollziehen. Eine zeitliche so gelegte Einnahme von Antispastika, dass sie zum Zeitpunkt des angedachten Geschlechtsverkehrs ihre grösstmögliche Wirkung entfalten, kann hier hilfreich sein. Ebenso sind veränderte oder abgewandelte Positionen beim Geschlechtsverkehr und beispielsweise das Unterlegen von Kissen als effektiv beschrieben worden.
2.4.2.2 Muskelschwäche/Lähmungen
Beide Erscheinungen können ebenfalls neue Positionen beim Geschlechtsverkehr erforderlich machen, eine gewisse Experimentierfreude und Aufgeschlossenheit seitens der Betroffenen und ihrer Partner stellt hier die bestmögliche "Therapie" dar.
2.4.2.3 Blasen- und Darmstörungen
Blasen- und Darmstörungen treten, wie bereits erwähnt, bei MS häufig auf. Insbesondere Inkontinenz, das Tragen von Dauerkathetern oder Urinalen und häufige Harnwegsinfektionen stellen eine Einschränkung beim Geschlechtsverkehr dar. Folgende Therapiemöglichkeiten wären hier zu nennen:
- Inkontinenz : Die Angst vor Inkontinenz beim Geschlechtsverkehr hemmt viele Betroffene sehr. Eine Möglichkeit besteht hier darin, direkt vor dem Geschlechtsverkehr Blase und Darm möglichst vollständig zu entleeren. Eine andere wäre, in den Stunden vor dem eigentlichen Akt möglichst wenig zu essen und zu trinken, auch intensives Beckenbodentraining vermag hier bisweilen Abhilfe zu schaffen, Katheter können vor dem Geschlechtsverkehr entfernt werden, wenn der Patient in der Selbstkatheterisierung unterwiesen ist, Dauerkatheter können beim Mann am Penis zurückgebogen und unter einem Kondom verborgen werden, Frauen können ihn wegbiegen und seitlich am Bein mit einem Pflaster befestigen,
- Harnwegsinfektionen : häufige Harnwegsinfektionen können durch strenge Einhaltung der entsprechenden Hygiene bzw. durch den Einsatz von Einmal-Kathetern anstelle von Dauerkathetern vermieden werden. Frauen, die nach dem Geschlechtsverkehr häufig an der sogenannten postkoitalen Zystitis (auch als "Honeymoon-Zystitis" bekannt) leiden, sollten vor dem Geschlechtsakt viel Flüssigkeit zu sich nehmen und den Schambereich gründlich reinigen und direkt im Anschluss daran die Blase gründlich entleeren und erneut eine Reinigung vornehmen. Bei hartnäckigem Auftreten ist auch die Einmalgabe eines Antibiotikums direkt nach dem Verkehr sehr erfolgreich, desgleichen kann das Ansäuern des Urins durch z.B. die regelmässige Einnahme von Acimethin erfolgversprechend sein.[33]
3. Ausblick
Eine Behinderung, die von Geburt an besteht oder später im Leben auftritt, bedeutet nicht, dass kein erfülltes Sexualleben geführt werden kann oder das Intimleben auf einmal beendet ist. Die meisten Grenzen setzen wir uns selbst, sie existieren nur in unseren Köpfen und sind keine unumstösslichen, faktischen Gegebenheiten. Eine Gesellschaft, die Sexualität gleichsetzt mit Geschlechtsverkehr, erschwert nicht nur Behinderten das Leben, sondern das Nichtbehinderter ebenso. Es liegt auch an uns selbst, gewohnte Denkmuster zu hinterfragen und alternative Formen von Sexualität zu entwickeln oder als gleichberechtigt anzuerkennen. Ein unvoreingenommenes Herangehen an das Thema Sexualität und Behinderung und die Entwicklung einer offenen Kommunikationsstruktur erscheinen mir hier unerlässlich zu sein. Das Thema Sexualität ist mit einer Körperbehinderung keineswegs ad acta gelegt, es müssen eben nur manchmal gewisse Anpassungen vorgenommen werden. Gerade neueren Entwicklungen wie der Ausbildung und dem Einsatz von Sexualbegleitern sollten wir vorurteilsfrei gegenüberstehen und diese Bemühungen um die Emanzipation von Behinderten mit dem Recht auf ein erfülltes und selbstbestimmtes Sexualleben sollten wir anerkennen und zu fördern versuchen.
In diesem Sinne bleibt mir nur zu fordern:
Mehr Kommunikation, mehr Experimentierfreude und weg mit den Vorurteilen!!!
Literaturverzeichnis
Monographien
Krämer, Günter; Besser, Roland: Multiple Sklerose. Antworten auf die häufigsten Fragen. 4. Auflage, Stuttgart, 2000
Maida, Eva: Der MS-Ratgeber. Stuttgart, 1997
Offenhausen, Hermann B.F.: Behinderung und Sexualität. 2 Auflage, Bonn, 1985
Sandfort, Lothar: Hautnah. Neue Wege der Sexualität behinderter Menschen. Neu-Ulm, 2002
Artikel
Lempp, Reinhart: Sexualität und Behinderung in: Färber, Hans-Peter; Lipps, Wolfgang; Seyfarth, Thomas (Hg.): Sexualität und Behinderung. Umgang mit einem Tabu. 2. Auflage, Tübingen, 2000, S. 13-14
Lübner, Ingrid: Entwicklungspsychologie in Färber u.a, a.a.O., S. 32-41
Richter, Rudolf: Querschnittlähmung und Sexualität, psychosoziale und somatische Aspekte in Färber u.a., a.a.O., S. 59
Sandfort, Lothar: Den eigenen Körper neu ent-decken. Sexualberatung im Institut für systemische Beratung Behinderter e.V. in Färber u.a., a.a.O., S. 118
Broschüren
Hofreiter, Renate: Sexualität und MS. DMSG Hannover, Stuttgart, 2000
Hofreiter, Renate: 1.5 Partnerschaft und Familie. 1.5.2 Sexualität und MS. DMSG, Hannover, 1994
PRO FAMILIA: Sexualität und körperliche Behinderung. Frankfurt, 1997
[1] Vgl. hierzu beispielsweise Maida, Eva: Der MS-Ratgeber. Stuttgart, 1997, S. 28-30 und Kr�mer, Günter; Besser, Roland: Multiple Sklerose. Antworten auf die häufigsten Fragen. 4. Auflage, Stuttgart, 2000, S. 49-50
[2] Hofreiter, Renate: Sexualität und MS. DMSG Hannover, Stuttgart, 2000
[3] Vgl. hierzu Lempp, Reinhart: Sexualität und Behinderung in: Färber, Hans-Peter; Lipps, Wolfgang; Seyfarth, Thomas (Hg.): Sexualität und Behinderung. Umgang mit einem Tabu. 2. Auflage, Tübingen, 2000, S. 13-14 und Offenhausen, Hermann B.F.: Behinderung und Sexualität. 2 Auflage, Bonn, 1985, S. 15-16
[4] Vgl. Lempp, a.a.O., S.15-20
[5] Vgl. Sandfort, Lothar: Hautnah. Neue Wege der Sexualität behinderter Menschen. Neu-Ulm, 2002, S. 70
[6] PRO FAMILIA: Sexualität und körperliche Behinderung. Frankfurt, 1997, S. 7
[7] Hofreiter, a.a.O., S. 11-12
[8] Ebd., S. 10
[9] Offenhausen, a.a.O., S. 20
Man hat zudem beispielsweise festgestellt, dass bereits 5-10% der von Multiple Sklerose Betroffenen bereits vor ihrer Diagnose unter sexuellen Problemen litten. Vgl. Hofreiter, a.a.O. S.6
[10] Vgl. dazu Sandfort, a.a.O., S. 36; Hofreiter, a.a.O., S. 39; PRO FAMILIA, a.a.O., S. 12; Färber u.a., a.a.O., S. 7
[11] Vgl. Lübner, Ingrid: Entwicklungspsychologie in Färber u.a., a.a.O., S. 32-41
[12] Vgl. PRO FAMILIA, a.a.O., S. 8; Färber u.a., a.a.O., S. 7; Richter, Rudolf: Querschnittlähmung und Sexualität, psychosoziale und somatische Aspekte in Färber u.a., a.a.O., S. 59
[13] Richter, a.a.O., S. 59 (Hervorhebung hinzugefügt)
[14] Vgl. PRO FAMILIA, a.a.O., S. 12 und Sandfort, a.a.O., S. 45
[15] Sandfort, a.a.O., S. 55
[16] PRO FAMILIA, a.a.O., S. 14
[17] Sandfort, a.a.O., S. 112-113
[18] PRO FAMILIA, a.a.O., S. 14
[19] Ebd., S. 14-15
[20] Ebd., S. 11
[21] Ebd., S. 15
[22] Sandfort, a.a.O.
[23] Vgl. Sandfort, a.a.O., S. 59-102
[24] Ebd., S. 71 und Sandfort, Lothar: Den eigenen Körper neu ent-decken. Sexualberatung im Institut für systemische Beratung Behinderter e.V. in Färber u.a., a.a.O., S. 118
[25] Vgl. Sandfort: Hautnah, a.a.O., S. 58
[26] Maida, a.a.O., S. 121
[27] Hofreiter, a.a.O., S. 6-7
[28] Ebd., S. 7
[29] Ebd., S. 8-14
[30] Ebd., S. 14-15
[31] Ebd., S. 19
[32] Hofreiter, Renate: 1.5 Partnerschaft und Familie. 1.5.2 Sexualit�t und MS. DMSG, Hannover, 1994, S. 6
[33] Vgl. Hofreiter, Sexualit�t und MS, a.a.O., S. 20-36